Viktor Khrapunov : Biografie

Viktor Viatcheslavovitch Khrapunov kommt als Sohn russischstämmiger Eltern am 24. November 1948 in Predgornoje zur Welt, einer kleinen Stadt im äußersten Osten Kasachstans, die damals etwa zehntausend Einwohner zählte (heute ca. 5000). Er ist das dritte von acht Kindern der Familie.

Sein Vater Viacheslav Alekseevich Khrapunov, Invalide seit dem Zweiten Weltkrieg, wurde am 21. Februar in Perm (Russland) geboren und starb am 24. Januar 1980. Seine Mutter Anastassia Nikolaevna Khrapunova wurde am 3. September 1923 in Predgornoje geboren und verstarb am 1. Juli 2006.

Von 1956 bis 1964 absolviert Viktor Khrapunov seine obligatorische Schulzeit.

1964 wirkten seine Eltern in Richtung Berufsausbildung auf ihn ein. Er besteht die Aufnahmeprüfung für die Technische Schule in Ust-Kamenogorsk, einer Stadt mit 100.000 Einwohnern (heute sind es 300.000) etwa 40 km von Predgornoje entfernt.

Mit einer zweijährigen Unterbrechung (1968 und 1969), in der er den Militärdienst leistet, lebt Viktor Khrapunov dort bis zum Juni 1970, als er mit dem Diplom als Techniker für Heizungsanlagen abschließt.

Seine guten Ergebnisse ermöglichen ihm – was zu jener Zeit selten war – sich einen der vom kasachischen Ministerium für Energie vorgeschlagenen Posten auszusuchen, wo er auch seine berufliche Laufbahn beginnt. Er entschließt sich für das Wärmekraftwerk der Hauptstadt Almaty, die 1100 km von seiner Heimatregion entfernt liegt.

Er startet 1970 als einfacher Servicetechniker im Kraftwerk und durchläuft in den nächsten Jahren verschiedene Aufgabengebiete der Anlage wie die Warmwasserversorgung (Wasser und Heizung) der Bevölkerung von Almaty (zu jener Zeit eine Million Menschen), damals Hauptstadt des Landes. Nachdem er in die Leitungsfunktion berufen wurde, lässt man ihn eine Weiterbildung als Messtechniker an Almatys Hochschule für Normierung und Messtechnik durchlaufen (das Diplom erwarb er 1973). Dadurch kann er die Funktion des Spezialmechanikers übernehmen und ist verantwortlich für die Wartung und Kontrolle der Messgeräte (mit 15 Mitarbeitern).

1971 begann Viktor Khrapunov eine Ausbildung im Abendstudium an der Polytechnischen Schule von Almaty (Institut de l´Energie), wo er 1977 das Diplom als Elektroingenieur erhielt.

Von 1975 bis 1977 wurde er mit neuen Verantwortungsbereichen in der Anlage des Wärmekraftwerks Almaty betraut: Als Verfahrenstechniker beaufsichtigt er die Lieferung der Ersatzteile für die technische Ausrüstung der Anlage bei 200 Subunternehmern, die vor allem aus Russland stammten.

1977, im Alter von 29 Jahren, mit dem Diplom als Elektroingenieur in der Tasche, erreicht er einen neuen Meilenstein im Kraftwerk von Almaty: Er wird zum Vizedirektor des Kesselwerks, einer der vier Hauptabteilungen der Anlage mit 120 Arbeitern, die 24 Stunden am Tag die Maschinen und Anlagen im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar in Betrieb hielten.

1979 wird er in die Leitungsfunktion einer anderen wichtigen Abteilung der Anlage befördert (Turbinenwerk, 170 Mitarbeiter) und wird so der jüngste leitende Angestellte. Diese Position füllt er bis 1985 aus. In der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1984 gibt es in der Anlage einen großen Schaden mit einem Wasserrohrbruch unter großem Druck. Während der Notfallmaßnahmen zum Abdichten des Lecks erleidet Viktor Khrapunov Verbrennungen 2. und 3. Grades an 42 % seiner Körperoberfläche durch das 150 Grad heiße, kochende Wasser. Er wird auf einer Bahre ins Krankenhaus transportiert, wo er 40 Tage, teilweise in Lebensgefahr und im Koma zubringt. Seine schwersten Verletzungen heilen erst nach 9 Monaten. Zwei weitere Personen wurden bei dem Unfall in dieser Nacht verletzt, ein Arbeiter kam ums Leben.

Im Mai 1985 verlässt Viktor Khrapunov das Kraftwerk von Almaty. Der Minister für Energie ernennt ihn zum technischen Direktor (Leitender Ingenieur) des Netzwerks der Wärmeversorgung von Almaty, einer Dienstabteilung mit 1000 Beschäftigten, wo er für die Energieproduktion und –verteilung innerhalb der Stadt verantwortlich ist. In dieser Funktion hat er ständigen Kontakt mit Leuten in leitenden Positionen der Hauptstadt sowie den zuständigen Ministerämtern und Behörden.

Die politische Karriere von Viktor Khrapunov beginnt im Oktober 1986. Er gibt endgültig seine Tätigkeit als Ingenieur auf, um in der Verwaltung der kasachischen Hauptstadt aktiv zu werden. Die kommunistische Partei wählt ihn an die Spitze von Leninsky, einem Bezirk von Almaty (90.000 Einwohner, 90.000 Angestellte).

Im August 1989 im Alter von 42 Jahren wurde Viktor Khrapunov, ohne jemals eine Funktion in der politischen Hierarchie innegehabt zu haben, zum zweiten Sekretär der Kommunistischen Partei der Stadt Almaty gewählt. In dieser Position setzt er seine Kompetenzen aus der Industrie zum Wohl der Stadt ein, indem er unter anderem ein Management-Zentrum für Ressourcen in Almaty einrichtet (Industrie- und Nahrungsmittelproduktion, Wohnungsbau, etc.).

1990 verleiht die Hochschule der Kommunistischen Partei Almaty Viktor Khrapunov nach 3 Jahren Studium das Diplom für Politologie (mit Auszeichnung).

Im März 1991, als die Sowjetrepublik Kasachstan in den letzten Zügen lag, fand eine Rochade an der Spitze der Führung der Stadt Almaty statt: Der Bürgermeister von Almaty (Zamanbek Nurkadilov) wird zum ersten Sekretär der Kommunistischen Partei von Almaty ernannt und Viktor Khrapunov nimmt seinen Platz an der Spitze der Stadtverwaltung ein.

Im Dezember 1991 wurde die kommunistische Partei nach der Unabhängigkeitserklärung des Landes auf kasachischem Territorium verboten. Drei Monate später, im Februar 1992, findet eine neue Umsetzung statt: Zamanbek Nurkadilov übernimmt die Führung von Almaty und Viktor Khrapunov wird an seiner Seite als stellvertretender Bürgermeister eingesetzt. Diese Funktion führt er bis zum März 1995 aus.

Im März 1995 wird Viktor Khrapunov zum Minister für Energie und Bergbau ernannt. Nach einer umfassenden Reform innerhalb des Staates wird das Ministerium für Energie im März 1997 um zwei ehemalige Ministerien erweitert (Geologie; Erdöl und Erdgas). In diesem Ministeramt bringt er seine Vergangenheit als Ingenieur wieder ein.

Mitte der 1980er Jahre war er für die Energieproduktion und -verteilung der Stadt Almaty verantwortlich. Zehn Jahre später übernimmt er eine ähnliche Aufgabe, aber diesmal auf landesweiter Ebene. Als er die Leitung des Ministeriums für Energie übernimmt, ist das Land kurz vor dem Ersticken. Immer noch dominieren die alten Gewohnheiten des Sowjetregimes. Es ist besonders für industrielle Verbraucher sehr schwierig, ihre Stromrechnungen zu bezahlen. Durch die Knappheit der Mittel sieht sich das Ministerium für Energie gezwungen, den Strom im ganzen Land zu rationieren, eine Maßnahme, die gleichermaßen diejenigen betrifft, die ihre Rechnungen bezahlen wie jene, die sie nicht begleichen. Am 30. Mai 1996 verabschiedet Viktor Khrapunov im Auftrag der Regierung eine umfassende Reform des Energiesektors (außer Öl und Gas). Diese Reform sieht unter anderem eine neue Aufteilung der Zuständigkeiten bezüglich der Strom- und Wärmeenergieversorgung zwischen den zentralen und lokalen Behörden vor: Der Minister ist für die Energieversorgung auf nationaler Ebene zuständig, während die regionalen Behördenleiter für ihr Verwaltungsgebiet verantwortlich sind. Auf diese Weise sind die lokalen Behörden aufgefordert, die Industriezweige nicht ungestraft davonkommen zu lassen, die ihre Rechnungen nicht bezahlen. Die Reform lässt auch die Marktgesetze im Energiesektor wirken, indem der Wettbewerb zwischen kleinen Vertriebsgesellschaften für Strom, Kohle und elektrische Energieversorgung angeregt wird. Die vier größten und wichtigsten Wasserkraftwerke des Landes (die 60 % der gesamten Energie in Kasachstan produzieren) müssen jedoch in den Händen des Staates bleiben. In diesem Punkt wird die Reform vom 30. Mai 2006 jedoch nicht eingehalten. Der Präsident interveniert, um die wichtigsten Energiezentralen des Landes in Familienbesitz zu bringen, entweder direkt oder über Strohmänner. Daraus ergibt sich ein beträchtlicher Verlust für das Land. Die von Nazarbayev durchgeführten Operationen hinsichtlich der Privatisierung der wichtigsten Energieressourcen des Landes umfassen einige wenige Millionen Dollar, wobei der reelle Wert der Anlagen in Milliardenhöhe liegt. Ein Mechanismus der kommunizierenden Röhren findet auf Kosten der kasachischen Bevölkerung statt, welcher Milliarden Dollar potentieller Einnahmen verloren gehen, die stattdessen in den Taschen des Präsidenten-Clans landen.

1997-2004 Bürgermeister von Almaty.

Am 15. Juni 1997 rief Noursoultan Nazarbajew Viktor Khrapunov zu sich. Nachdem er ihm für seine Arbeit der letzten drei Jahre als Leiter des Ministeriums für Energie gedankt hatte, schlug er ihm vor, Bürgermeister der Hauptstadt des Landes zu werden. Wie es die Praxis in einem Land vorsieht, in dem alles vom diktatorischen Präsidenten bestimmt wird, übernahm Viktor Khrapunov seine neue Funktion bereits am nächsten Tag. Er erbte eine abgewrackte Stadt. Die öffentlichen Kassen waren leer. Steuerhinterziehung war an der Tagesordnung. Der Industriesektor war nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zum Stillstand gekommen. Die Wirtschaft lief im Leerlauf. Strom und Gas wurden rationiert. Die Wut der Bevölkerung galt den städtischen Behörden, die unfähig waren, sich den Schwierigkeiten zu stellen. Und die Situation wurde noch düsterer, als der Stadt im Dezember 1997 der Status als Hauptstadt aberkannt wurde.

Schon bald umgab er sich mit einem Team von Spezialisten, mit denen er die Situation analysierte und und einen Sanierungsplan mit 35 Themenpunkten entwickelte. Die ersten dringenden Maßnahmen wurden mit Hilfe von Darlehen finanziert. Parallel dazu trafen der Bürgermeister und seine Mitarbeiter die strategische Entscheidung, sich auf das Wirtschaftswachstum zu konzentrieren, um die Stadtkasse wieder aufzufüllen. Diese Strategie machte sich bezahlt. 1997 zählte die Stadt 7400 kleine mittelständische Unternehmen (KMU); 2004, als Viktor Khrapunov seinen Posten verließ, waren es 148.000. Diese rasante Zunahme ist die Basis für das Aufblühen der Stadt. Die Steuerabgaben dieser Unternehmen gestattete die regelmäßige Erhöhung des städtischen Haushalts, der sich innerhalb von sieben Jahren mehr als verdoppelten und 2004 rund 360 Millionen Dollar erreichten. Innerhalb weniger Jahre erholte sich Almaty, sanierte seine Finanzen und überwand die Krise. Die Stadt wurde zum wichtigsten Steuerzahler des staatlichen Haushaltsbudgets. 2004 erreichte dieser Beitrag eine Rekordhöhe von 1,65 Mrd. Dollar. Dieser Erfolg war ohne Öl, ohne natürliche Ressourcen, allein aufgrund der Dynamik der kleinen mittelständischen Unternehmen (KMU) von Almaty möglich.

Als Viktor Khrapunov im Dezember 2004 das Rathaus von Almaty verlassen musste, konnte er stolz auf seine Arbeit zurückblicken. In sieben Jahren hatte die Stadt ein komplett neues Gesicht bekommen. Die Lebensqualität hatte sich spürbar verbessert. Während all der Jahre hat er sich unermüdlich zum Wohl der Einwohner der Stadt engagiert, was diese ihm hoch anrechneten: Viktor Khrapunov war ein populärer, geschätzter und anerkannter Bürgermeister. Seine Arbeit und sein Einsatz brachten ihm übrigens auch offizielle Anerkennung ein. Von 2000 bis 2005, sechs Jahre in Folge, wurde er zur „Persönlichkeit des Jahres“ in der Kategorie der besten Bürgermeister ernannt. Im Jahr 2002 zeichnete man ihn als „Staatsmann des Jahres“ aus. 2005 wurde er zum „Besten Bürgermeister des Jahres“ in der Kategorie Einführung neuer Technologien gewählt. Zu dieser positiven Bilanz muss noch ein wichtiger Punkt hinzugefügt werden: Als er sein Amt als Bürgermeister von Almaty verließ, war die Stadt immer noch im Besitz ihrer Infrastruktur. In einem Land, wo der Präsidentenclan öffentliche Güter als Privatbesitz betrachtet, an denen er sich nach Belieben auf dem Rücken der Bevölkerung bereichern kann, verdient diese Tatsache besondere Beachtung. Während seiner Amtszeit an der Spitze von Almaty, musste sich Viktor Khrapunov regelmäßig den Mitgliedern der Familie Nazarbajew entgegenstellen, die ihn aufforderten, jene Dokumente zu unterzeichnen oder jene Maßnahmen zu ergreifen, um ihre persönliche Bereicherung zu fördern. Er widersetzte sich dem konsequent.

Am 26. November 1997 legt Viktor Khrapunov seine Doktorarbeit über die wirtschaftlichen Reformen der Stadt Almaty im Übergang zur Marktwirtschaft vor und erhält vom wissenschaftlichen Rat der Nationalen Akademie der Verwaltung von Almaty die Promotion (Doktorand Ph.D.). In den folgenden Jahren verfasst er seine Habilitationsschrift, in der er das gleiche Thema vertieft. Am 4. Oktober 2000 legt er dem wissenschaftlichen Rat derselben Akademie seine zweite Arbeit vor und wird endgültig mit dem Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet.

Am 8. Dezember 2004 führt Präsident Nazarbayev ein Telefongespräch mit Viktor Khrapunov. Er drückt lebhafte Besorgnis in Bezug auf Kasachstans östliche Region aus, die unter schlimmen wirtschaftlichen und industriellen Problemen leidet. Der Präsident schmeichelt dem Bürgermeister von Almaty, sagt ihm, dass nur ein erfahrener Krisenmanager wie er, ein politisches Schwergewicht, ein Mann mit makellosem Ruf, ein unermüdlicher Reformer, der vor keiner Schwierigkeit zurückschrecke, die Lage in dieser Provinz verbessern könne. Der Bürgermeister von Almaty zögert. Der Präsident bleibt beharrlich und erklärt, dass der Auftrag nur ein Jahr dauern werde. Viktor Khrapunov sieht ein, dass er keine Wahl hat. Am nächsten Morgen wird er zum Gouverneur der östlichen Provinz Kasachstan ernannt. Auf dem Papier wird es als Beförderung dargestellt. Unter den gegebenen Umständen war das Ziel dieser Umsetzung, Viktor Khrapunov außerhalb der Gefahrenzone zu bringen, damit er die Kreise nicht stören konnte. Als er weg ist, ist Almaty dem unersättlichen Appetit der Familie Nazarbayev hilflos ausgeliefert. Innerhalb weniger Monate hat die Stadt ihre Infrastruktur an den niedrigsten Bieter verkauft. Diejenigen, die an der Stelle des ehemaligen Bürgermeisters arbeiteten, konnten triumphieren.

Von Dezember 2004 bis Januar 2007, nach 35 in Almaty verbrachten Jahren, kehrt Viktor Khrapunov wieder in seine Heimatregion zurück. Als er seine neue Tätigkeit antritt, liegt die Provinz auf dem letzten Platz aller offiziellen Rankings, mit denen Städte und Provinzen verglichen und kategorisiert werden. Der Gouverneur macht sich an die Arbeit: Er meistert Krisen, investiert in die Infrastruktur der Energieversorgung, schafft die Bürokratie im Zusammenhang mit der Neugründung von Unternehmen aus dem Weg, fördert den Wohnungsbau und den Wiederaufbau der Nahrungsmittelindustrie u.v.m. Vorteil seiner isolierten Lage an der Landesgrenze: Er hat freie Hand, um sich für Reformen für das Wohl der Bevölkerung einzusetzen.

Die Folgen waren schon bald für die Einwohner der Provinz spürbar. Ihr tägliches Leben verbesserte sich. Seine Arbeit bringt ihm offizielle Anerkennung ein. Nach einem Jahr in dieser Funktion steigt die Region auf den dritten Platz des vormals zitierten Rankings. Parallel dazu sinkt Almaty, das vorher den ersten Platz belegt, auf den siebten Platz. Nach seinem zweiten Jahr in der Provinz belegt die Provinz den zweiten Platz der Rangliste. Während das Desinteresse des Präsidenten an dieser Provinz dem Gouverneur viel Handlungsspielraum lässt, ist dieser jedoch die ganze Zeit über dem Druck von Dariga Nazarbayeva, der Tochter des Präsidenten, ausgesetzt, die diese Region als ihre Hochburg betrachtet.

Die Spannungen mit der Präsidententochter reichen bis in seine Zeit als Bürgermeister von Almaty zurück. Viktor Khrapunov weigert sich, auf Anweisung von Dariga die Wahlurnen zu füllen, und verhindert die Übernahme aller Sitze der von Dariga neu gegründeten Partei bei den Wahlen von 2004. Das nimmt Dariga ihm sehr übel. Damals erklärte sie erstmals öffentlich, dass Viktor Khrapunov ihr schlimmster Feind sei. Auch im östlichen Kasachstan weigert sich Viktor Khrapunov, sich Dariga Nazarbayevas Willen zu unterwerfen, die dort ihre Männer einsetzen wollte, um alle natürlichen, noch verfügbaren Ressourcen zu plündern (zum Beispiel Goldminen) – mit anderen Worten diejenigen Reichtümer, die sich ihr Vater noch nicht angeeignet hatte. Viktor Khrapunov stellt sich ihr entgegen. Einige Jahre hindurch hat er den Eindruck, dass seine kompromisslose Haltung allem gegenüber, einschließlich der Mitglieder der Präsidentenfamilie, vom Präsidenten selber akzeptiert und respektiert wird.

Während des in Ost-Kasachstan verbrachten Zeitraums spürt er, dass der Wind sich dreht. Er merkt, dass die Geschichte sich wiederholen wird und dass man ihn, genau wie in Almaty, niemals tun lassen wird, was er möchte. Seine Intuition bestätigt sich im Januar 2007. Der Präsident ruft ihn überraschend zu sich, um ihm den Posten des Ministers für Krisen und Notsituationen anzubieten. Viktor Khrapunov lehnt ab. Er argumentiert, dass er bereits Minister sei und der vorgeschlagene Posten von geringerer Bedeutung und für ihn uninteressant sei. Er erinnert auch daran, dass dieses Ministeramt hinsichtlich des Schicksals der beiden Vorgänger in dieser Funktion (Nurkadilov wurde ermordet; Kulmachanov wurde als Folge einer Versetzung definitiv aus dem politischen Leben abgedrängt) kaum als Beförderung betrachtet werden kann.… Schließlich erklärt er, dass das Aufbauprogramm für die östliche Region Kasachstans sehr vielversprechend sei und dass er drei weitere Jahre dort bleiben möchte, um eine nachhaltige Wirkung sicher zu stellen. Aber der Präsident setzt seinen Willen durch: Viktor Khrapunov wehrt sich mit allen Mitteln, aber ein weiteres Mal sieht er ein, dass er keine andere Wahl hat, als sich zu fügen und seinen Sitz als Gouverneur aufzugeben.

Im Januar 2007 verlässt Viktor Khrapunov Ost-Kasachstan und kehrt in die Hauptstadt zurück, wo ihn der Präsident zum Minister für Notsituationen ernennt. Gemeinsam mit Spezialisten filtert Viktor Khrapunov das existierende System zur Prävention und Lösung von Notsituationen (Naturkatastrophen und menschliche Notfälle). Er trifft seinen russischen Kollegen in Moskau; er lässt sich von Modellen inspirieren, die in Weißrussland und Aserbaidschan in Kraft sind. Im Sommer 2007 wird ein neuer Aktionsplan von der Regierung genehmigt, überarbeitet und an die Größe des Landes und die vielfältigen zu meisternden Herausforderungen angepasst.

Während seines kurzen Gastspiels an der Spitze dieses Ministeriums muss Viktor Khrapunov drei große Krisen bewältigen: Im Frühjahr der durch Tauwasser über die Ufer steigende Fluss Syr-Daria; im Sommer (15. Juli 2007) die Entgleisung eines kasachischen Zuges mit in Feuer geratenem gelben Phosphor, das nur sehr langsam verebbte; ebenfalls im Sommer (6. September 2007) die Dekontamination einer ausgedehnten Fläche der Region Karaganda als Folge einer gestarteten „Protonen“-Rakete, die einen japanischen Satelliten transportierte.

Am 29. Oktober 2007 übergab Viktor Khrapunov Noursoultan Nazarbayev sein Rücktrittsschreiben. Am 1. November 2007 trifft er sich mit dem Präsidenten, der ihm erlaubt, das Land zu verlassen, um sich im Ausland gesundheitlich behandeln zu lassen. Einige Tage später kommt Viktor Khrapunov in die Schweiz, die er seitdem nie wieder verlassen hat.

1998 heiratet Viktor Khrapunov seine zweite Frau Leila Kalibekovna Khrapunova, die 1958 geboren wurde. Er hat fünf Kinder und sieben Enkel.

Akademische Titel

  • 2007: Lehrbeauftragter an der Technischen Universität von Ost-Kasachstan. Lehre über die wirtschaftliche und politische Entwicklung Kasachstans. Ausrichtung in Forschungsarbeit.
  • Mitglied der Internationalen Akademie für Energie (Diplom Grad 95 vom 24. Januar 1995).
  • Mitglied der Internationalen Akademie für Technik und Maschinenbau in Almaty (Diplom Grad 92 vom 27. Juni 2003).
  • Mitglied der Akademie für Sicherheit, Verteidigung und Ordnung (Diplom Grad 8011 vom 19. Oktober 2005).

Politische Ämter

  • Von 1973 bis 1978: Vorsitzender des Rats junger Spezialisten im Wärmekraftwerk von Almaty.
  • Von 1975 bis 1977: Sekretär des Komsomol-Komitees des Wärmekraftwerks von Almaty.
  • Von 1986 bis 1989: Vorstandsmitglied des Komitees der Kommunistischen Partei im Bezirk Leninsky (Stadt Almaty).
  • Von 1989 bis 1991: Vorstandsmitglied des Gemeinderats der Kommunistischen Partei der Stadt Almaty.
  • Von 1989 bis 1991: Ausschussmitglied der Kommunistischen Partei der Region Almaty.
  • Von 1989 bis 1991: Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei.
  • Von 1991 bis 1994: Abgeordneter des Obersten Sowjets der Volksdeputierten von Kasachstan (Mitglied des kasachischen Parlaments).
  • Von 1986 bis 1997: Wiederholte Male Mitglied des Gemeinderates der Volksabgeordneten.

Auszeichnungen

  • Seit 1983 steht der Name Viktor Khrapunov auf der Ehrenliste des Wärmekraftwerks von Almaty.
  • 1994 wird er zum besten Werkstattchef der Stadt Almaty ernannt.
  • Von 1995 bis 2007 erhält er mehrere Medaillen.
  • 2000 wird er mit dem Orden Parasat ausgezeichnet.
  • Von 2000 bis 2005 wird Viktor Khrapunov sechs Jahre in Folge zur „Persönlichkeit des Jahres“ in der Kategorie der besten Bürgermeister ernannt.
  • 2002 wird er als „Staatsmann des Jahres“ geehrt.
  • 2004 wird ihm vom Patriarchen von ganz Russland, Alexis II, der Orden des Prinzen St. Daniel verliehen.
  • Ausgezeichnet mit dem Orden des Nationalen Olympischen Komitees.
  • 2005 erhält er den Orden des Ersten Präsidenten der Republik Kasachstan, sowie den Orden Peter der Große. Im selben Jahr wurde er zum „besten Akim (Bürgermeister) des Jahres“ in der Kategorie Einführung neuer Technologien ernannt.

Ehrungen

  • Ehrenbürger der Stadt Almaty.
  • Ehrenbürger der Region Almaty.
  • Ehrenbürger der Stadt Turkestan.
  • Professor honoris causa der Nationalen Technischen Universität Kasachstan (14. April 1998).
  • Doktor honoris causa in Rechtswissenschaften an der Akademie des Innenministeriums der Republik Kasachstan (30. September 1999).
  • Doktor honoris causa in Wirtschaftswissenschaften der staatlichen Universität von Almaty Abay (7. Juni 2000).
  • Professor honoris causa der Nationalen Akademie für Rechtswissenschaften von Kasachstan (11. Oktober 2000).
  • Verdienstabzeichen für die Entwicklung von Körperkultur und Sport der Republik Kasachstan (24. November 1998).
  • Verdienstabzeichen Tourismus und Sport (27. September 2005).
  • Ehrenpersönlichkeit im Sport der Republik Kasachstan (11. August 2005).